Leskov „Der Nachtdämon“ Gerberow

Akademiesiegel ElburumNun eines vorweg: Tatsächlich kann man Leskov Gerberow gewisse Genialität und Ambitionen nicht absprechen. Doch hat es lange gebraucht, bis diese Fähigkeiten endlich auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Doch soll hier nur von Tatsachen berichtet werden. Von Geschehnissen, die auch genau nachzuweisen sind und deren Wahrheit soweit bewiesen ist. Denn was die Vergangenheit des sogannanten Nachtdämons sonst noch für fürchterliche Geheimnisse birgt, sollte unter Umständen gar nie zu Tage gefördert werden.

Leskov Gerberow wurde im Mond Hesinde des Jahres 1x Hal – der genaue Tag hat sich leider bisher nicht feststellen lassen – in einem kleinen Dorf namens Helsun in der Nähe Firunens im Bornland geboren. Die Eltern waren einfache Bauern. Die Mutter jedoch erlag den Strapazen der Entbindung. Höchstwahrscheinlich ist die stürmische Winternacht schuld gewesen. Man kann jedoch auch behaupten, dass die Mutter das erste Opfer von Leskov gewesen ist.

Bereits in der ersten Nacht bekam Leskov Gerberow zahlreiche Übernamen, die von einem Unheil kündeten: Geburt der Niederhöllen und Kind des Namenlosen sollen noch die Harmlosesten gewesen sein. Grund dafür war ein grausamer Makel des Kindes, das durchaus als Mal des Bösen und Vorbote der schrecklichen Ereignisse verstanden werden kann: Das Kind kam mit unnatürlich blasser, geradezu schneeweisser Haut zur Welt. Hinzu kamen rote, stechende Augen, die von heute noch lebenden Dorfbewohnern als «Augen zu den Niederhöllen» beschrieben worden sind. Unter Medici gibt man diesem Makel den Namen Albinismus. Diese «Krankheit» führt, nebst augenscheinlichen Absonderlichkeiten, zu einer gravierenden Unverträglichkeit mit dem Licht der Praiosscheibe.

Der Vater war nach Zeugenaussagen nahe daran, das Kind im tiefen Schnee auszusetzen und es der gnädigen Hand Borons zu überlassen. Vermutlich wäre es für das Kind das Beste gewesen. Der Vater entschied sich jedoch das Kind zu behalten. Schliesslich war es das Einzige, was von seiner Frau übrig geblieben war. Jedoch musste er diese Entscheidung bald bereuen. Mit sechs Jahren schienen sich bei Leskov die ersten Anzeichen seiner magischen Begabung zu zeigen. Es häufen sich dabei Berichte von Dorfbewohnern, die Unheimliches beobachtet hätten oder deren gar widerfahren sei. Ob man bei einem Sechsjährigen von boshafter Absicht sprechen kann, ist ungeklärt. Doch schliesslich wurde ein gleichaltriges Mädchen tot aufgefunden. Mit zerfetzem Körper und einem Gesichtsausdruck völliger Agonie. Schnell war der Schuldige gefunden: Noch in derselben Nacht wurden zwei Scheiterhäufen zusammengetragen. Leskov Gerberow und sein Vater Boril Gerberow sollten endlich dorthin zurück, wo sie her kamen: In die Niederhöllen!

Höchstwahrscheinlich trifft den Vater keinerlei Schuld an den Geschehnissen. Er ist nur ein Opfer der abergläubischen, verängstigten und übereifrigen Dorfbewohner. Oder anders formuliert: Das zweite Opfer Leskovs. Vermutlich musste er selbst an den Fähigkeiten seines Sohnes genug leiden. Er soll nach Angaben der Dorfbewohner teilnamslos und ohne Gegenwehr auf den Scheiterhaufen gestiegen sein. Was jedoch mit seinem Sohn geschah, ist nicht zur Gänze bekannt. Höchstwahrscheinlich konnte er kurz vor der Vollstreckung aus seiner Zelle fliehen, da die Gitterstäbe nicht für Sechsjährige konzepiert waren. Ab diesem Zeitpunkt herrschte in dem Dorf jedoch Ruhe und der Übeltäter wurde nicht mehr wieder gesehen. Die meisten Bewohner mutmassen, dass die Götter selbst den Jungen zu sich geholt haben, um ihn eigenhändig zu bestrafen.