Farid Al Narush Ibn Habib Al Siakar

Farid Al Narush ist ein saphirischer Händler und Dschinnbeschwörer (Erddomäne).

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Stammbaum von Farid Al Narush Ibn Habib Al Siarkar

„Dreiundreissig, vierundreissig, fünfundreissig, sechsundreissig und siebenundreissig. Jap, stimmt auf den Skrupel genau, wie immer, Rashid. Und hier sind deine 18 Goldmünzen und 5 Silbermünzen, wie immer. Ach, es ist jedes Mal wieder eine Freude, wenn ich zur Abwechslung zu dir aufs Land fahren darf. Versteh mich nicht falsch, ich möchte mein Heim und meine Familie gegen nichts in der Welt tauschen, doch mag ja schliesslich nicht nur der Gaumen ab und zu etwas Abwechslung. Aber die Pflicht ruft. Ich sollte gehen, wenn ich es noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Siarkar schaffen will. Wann genau wir uns wiedersehen, kann ich dir nicht sagen, aber wenn ich von meiner Reise zurück bin, werde ich dir alles erzählen. Bis dahin: Leb wohl Rashid!“

Während einer von Farids Helfern den Esel aus dem Stall holt und vor den Wagen spannt, kontrolliert der andere, ob die kostbare Fracht, Dattelwein, allerlei aus Ton und getrocknete Kräuter, auch gut festgezurrt sind. Farid verbeugt sich noch ein letztes Mal, macht dann auf dem Absatz kehrt und tritt den Marsch zurück nach Siarkar an.

Die Strasse رابِيَة ذَهَبِيّ (Dahab Raha, etwa: „Goldener Aufstieg“) windet sich zunächst zwischen zahllosen Hirseplantagen hindurch, bevor sie unweit der Oase بَحْرَة (Bah’rah) mit einer ehemaligen „Verunischen Reichstrasse“ zusammenfällt.

„Es war ja wirklich nicht alles schlecht, was die Imperialisten in diesem Land angestellt haben. Die Entwässerung der Sumpfgebiete ist nur ein Beispiel. Klar, die immer noch marodierenden verunischen Legionäre sind keinen Deut besser als die Wilden im Süden und ihr krankhaftes Verlangen unsere Kultur auszulöschen kann nicht schöngeredet werden. Tausende starben einen sinnlosen Tod, weil sie sich weigerten aufzugeben, was ihnen am meisten bedeutete: Ihr Glaube.“

„Warum Almon Saphiria das angetan hat, wird niemand je wissen. Auch ich nicht. Aber ich kann glauben und ich glaube, dass der Einfall des Imperiums uns nicht nur gezeigt hat, was es wirklich heisst Gott zu dienen, sondern uns auch stärker gemacht hat. Unsere Herrscher erstreiten Tag für Tag mehr Freiheiten für Saphiria zurück und spätestens jetzt haben wir jedes Quant davon verdient.“

„Wir haben aber auch gelernt. Niemand hat vor dem Überfall auch nur daran gedacht, Strassen meilenweit mit genau zugeschnittenen Steinen zu belegen. Auch hat nie ein Sultan vorher so geschickt Steuern eingetrieben wie die Herrscher aus Veruna.
Jetzt da wir das Recht haben uns selbst zu verteidigen, fliesst auch wieder mehr Geld in unsere eigenen Taschen.“

Die meisten Bauern und Handwerker haben schon damit begonnen ihre Waren zusammenzupacken als Farid noch gemütlich durch die Gassen schlendert. Er hat beschlossen das Abendgebet hier in der Gesellschaft der Bewohner von Bah’rah abzuhalten und seine Begleiter angewiesen beim Karren auf ihn zu warten.

„Ist die gute Frau etwa schon nach Hause gegangen? Hätte ich mich doch nur heute Morgen entscheiden können. Dieser Schakal aus hellem Ton, etwa sieben Finger hoch und recht massiv, er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ardhadesh würde sich bei dessen Anblick wieder herrlich über die Ungeschicktheit sterblicher Hände amüsieren. Schöpferische Perfektion, so meine ich, ist aber nur ein Teil des Ganzen. Ein richtig schönes Kunstwerk braucht eine Seele, Persönlichkeit, einen Sinn.“

„Ich muss zugeben, ich kenne Ardhadesh auch nach bald vier Jahren immer noch nicht so wirklich. Es ist nicht so, dass wir uns nicht verstehen würden, aber zu echten Unterhaltungen kommt es zwischen uns beiden kaum. Dabei kenne ich Dshadir, welche stundenlang mit ihrem Dschinn über Wein, Kunst, das Leben und die Menschen diskutieren. Manche seien auch brennend an saphirischer Politik oder dem neusten Klatsch und Tratsch vom Hofe interessiert. Ardhadesh hingegen macht nur hie und da spöttische Bemerkungen über die einsturzgefährdeten Bauten von Menschen (von Menschenhand eben).“

„Seit meinem sechzehnten Lebensjahr beschäftige ich mich nun schon mit der Kunst, diese wundersamen Geschöpfe Almons, die Dschinne zu beschwören. Doch sind meine Fähigkeiten auch nach mehr als zehn Jahren Studium bei Meister Hameed Al Enhada (اِنْخدَاع) Ibn Nader Al Tayhar noch sehr beschränkt. Vor vier Jahren habe ich meinen ersten Dschinn, ebenfalls ein schweigsamer Zeitgenosse, an einen Anfänger weitergegeben und meinen ersten eigenen Dschinn gebunden: Ardhadesh.
Oh. Das Abendgebet wird ausgerufen…“

Nach der Oase erklimmt die Dahab Raha noch einen letzten Hügel und fällt dann zum Meer und zu Siarkar hin sanft ab. Die letzte Meile vor der golden glänzenden Stadt ist die Strasse gesäumt von Palmen und den Gräbern ehemals wichtiger verunischer Persönlichkeiten. Für die Einen Symbole der verunischen Präsenz in Saphiria für die Anderen der Beweis dafür wie vergänglich die verunische Herrschaft unter Almons Augen ist.
Früher, als nach Sonnenuntergang noch Ausgangssperre herrschte, hätte Farid selbst mit den notwendigen Spezialbewilligungen noch eine gehörige Summe Schmiergeld bezahlen müssen um noch in die Stadt gelassen zu werden, doch heute wird er von den Wachtposten freundlich in Saphirii willkommen geheissen. Farid spürt langsam die Anstrengungen des Tages und steuert entschieden das Handelshaus seines Vaters, Habib Al Aureb Ibn Halal Al Siarkar, an.

„Die Sonne muss jeden Moment untergehen. Wenn ich mich beeile sehe ich das Schauspiel vielleicht noch vom Dachgarten aus. Dazu einen Schluck Dattelwein.
Der edle Aham Al Neiru Ibn Merat Al Akesh hatte sich für heute angekündigt. Mein Vater hofft, dass ihm meine Halbschwester Hajar gefallen wird. Geschäftlich wäre es auf jeden Fall eine gute Verbindung und der Mann ist ja auch noch vergleichsweise jung. Wir werden sehen.“

Als Farid mit den Waren auf den Platz vor dem Handelshaus fährt, werden gerade die letzten Sklaven von den Hauseigenen Wachen in ihre erbärmlichen Unterkünfte im Keller begleitet. Das gerechte Los für die Wilden, die sich dem Willen Almons widersetzen.

Ein kleiner dürrer, aber wichtig aussehender Mann erblickt Farid und eilt ihm entgegen. Der Schreiber des Handelshauses, Quadir Al Nasarah, kennt Farid schon so lange dieser denken kann. Eilig werden Worte des Grusses ausgetauscht und schon übernimmt Quadir die Ware: „Dieses dorthin, Jenes da hin. Nicht trödeln die Damen. Farid, bitte hier unterschreiben, du kennst die Prozedur. Eine Feder? Was ist denn mit deiner passiert? Schon gut, nimm meine. Ich besorg dir umgehend ne Neue, wenn’s dem Herrn recht ist, ja? Ach übrigens, der Sattelmacher liess heute den geflickten Sattel liefern. War leider etwas aufwendiger als wir dachten. Ich hab eine Meldung an deinen Vater erstellt, du kennst die Regeln. Glaube nicht, dass du die Reparatur selber berappen musst, aber um eine ordentliche Lektion in Sachen Vorsicht mit Eigentum des Hauses wirst du wohl nicht herum kommen. Naja ich hab auf jeden Fall noch viel zu tun. Die Geschäfte laufen im Moment wie geschmiert. Bis bald, Farid. Hat mich gefreut dir helfen zu können!“

Auch wenn Farid die Arbeit im Dienst des Handelshauses eigentlich mag, ist es doch eine Erleichterung für ihn, nicht mehr für Waren im Wert von fast zwanzig Goldmünzen verantwortlich zu sein. Wirklich ernsthaft in Gefahr ist Farid in seinem bisherigen Leben nie gewesen. Mit sich und dem Tag zufrieden schlendert er zum Eingang des Familienanwesens.

„Guten Abend Herr. Sie kommen spät, man hat sich schon Sorgen gemacht. Shaq Reno Al Aqitehn liess in Ihrer Abwesenheit melden, dass die Lektionen dieser Woche leider ausfallen werden. Es gehe ihm nicht besonders gut.
Die Familie speist in etwa einer Sanduhr. Wenn Ihr noch irgendeinen Wunsch habt, lasst es mich wissen.“ – „Richte Hajar bitte aus, dass ich wieder da bin. Sie wird sehr aufgeregt sein.“ – „In der Tat, Herr.“

Auf ein Kopfnicken macht sich der Diener, der Farid bis vor seine Zimmer begleitet hat, davon. Im Arbeitszimmer ist es schon recht dunkel, aber für eine Öllampe sei es noch zu früh, denkt sich Farid, wirft sich auf sein Bett im angrenzenden Schlafzimmer – und erschrickt. Mit einem leisen Rauschen löst sich die Gestalt einer jungen, nein kleinen, Frau mit wild herumflatternden Haaren und luftiger Kleidung von der Decke und setzt sich neben Farid. „Da bist du ja endlich. Ich hänge hier schon seit Ewigkeiten rum. Lässt man die Frauen neuerdings warten?“

Heliqhu liebt dramatische Auftritte. Sie ist etwas eigensinnig, recht schnell beleidigt und hat Ardhadesh schon zweimal in seiner Flasche eingesperrt. Sie ist auch der Dschinn von Farids Meister, Hameed Al Enhada, und dass sie hier ist, kann nur heissen, dass es wieder etwas Ausserordentliches zu tun gibt.
„Es gibt wieder Arbeit. Meister Hameed hat einen Spezialauftrag für dich. Es geht um irgendeine Höhle, die irgendjemand irgendwie umgestaltet haben will. Die Details gibt’s übermorgen früh im ‚Haus am Fluss‘. Sei pünktlich.“ Mit einem letzten Augenzwinkern löst sich Heliqhu in Rauch auf und verschwindet durchs offene Fenster.

„Mit ‚Höhle‘ wird entweder ein etwas abgelegener Gutshof oder ein Keller gemeint sein. ‚Irgendjemand‘ würde sich so etwas dann doch nicht leisten können, auch wenn die Gilde billiger ist als eine Schar Arbeiter. Das muss ‚jemand‘ sein. Ein Adliger, ein Händler, oder so. Er muss auf jeden Fall so dreist sein, sich an eine von den Verunern verbotene und gesuchte Organisation zu wenden. Naja egal, wir werden sehen, Ardhadesh. Also du kennst die Regeln. Wenn ich nicht da bin, darfst du dich frei in meinen Räumen bewegen. Sollte es jemand wider Erwarten wagen, ohne meine Erlaubnis hier einzudringen, versteckst du dich. Ich werde in ein paar Stunden wieder zurück sein. Und lass bitte die Tonfiguren in Ruhe.“

Farids Schwester Hajar ist tatsächlich aufgeregt. Sie hätte schon vor einem Jahr verheiratet werden sollen, aber sie hatte sich mit Händen und Füssen gegen eine Verlobung mit dem fast dreissig Jahre älteren Sklavenhändler gewehrt. Es war ein Desaster. Die ganze Stadt redete damals nur noch über die aufsässige Tochter des Hauses Habib. Glücklicherweise fanden die Klatschrunden bald eine andere Geschichte. Die Handelsbeziehungen mit dem abservierten Herrn hat man jedoch noch bis heute nicht wiederaufgenommen.
Seither hat es zwar schon mehrere Versuche gegeben Hajar „unter die Haube“ zu brin-gen, aber keine Verabredung hat je so viel Potential geboten wie diese. Erstens ist das Handelshaus Neiru Al Akesh bis nach Siarkar hin bekannt und zweitens ist Aham Al Neiru Ibn Merat Al Akesh nur fünf Jahre älter als Hajar und noch unverheiratet.

Im Empfangssaal ist schon aller hergerichtet. Die Diener kümmern sich gerade um das Teezimmer. Der Gast wird jeden Augenblick erwartet. Hajar zupft ihr teuerstes Kleid zurecht. Sie hat es wirklich schon lange nicht mehr getragen. Es bimmelt draussen. Die Diener arbeiten plötzlich doppelt so schnell. Draussen entsteigt Aham gerade seiner Sänfte. Die Familie versammelt sich in der Empfangshalle, Farid ganz rechts aussen, Hajar in der Mitter neben ihrem Vater. Der Gast steigt die Stufen des Anwesens hinauf, gefolgt von seinem Leibdiener. Oben angekommen verbeugt er sich und lässt seinem Gastgeber eine kleine Schatulle übergeben. Ein daumennagelgrosser Saphir. Als Gastgeschenk an sich unbedeutend aber es erfüllt seinen Zweck. Der Vater reicht die Schatulle nach wohlwollender Inspektion weiter nach links zu seinem Sohn Karim. Dieser verbeugt sich, als hätte er das Geschenk empfangen. Nun schreitet der Vater auf Aham zu, schüttelt diesem herzhaft die Hände und geleitet ihn ins Teezimmer, wo inzwischen alles fertig dekoriert ist. Auf dem Tisch steht bereits alles bereit: Früchte, Datteln, Zucker sowie dampfendes Wasser. Wie es am Hof Brauch ist, wird zuerst dem Gast sein Platz zugewiesen, danach Reihum den Familienmitgliedern. Normalerweise würde der Vater all diese Zeremonien persönlich durchführen, aber hier und heute geht es um Hajar und so weist sie die Plätze zu, giesst den Tee in einem durchsichtigen Behälter auf, trinkt den ersten Schluck und schenkt dann ein. Habib und Aham unterhalten sich über Dattelwein, die diesjährige Ernte, die verunischen Handelsrestriktionen und über das Geschehen am Hof.

Man geht schliesslich in den Speisesaal, wo Hajar und Aham einander gegenüber gesetzt werden, denn nach dem Essen ist nach Tradition auch Hajar erlaubt, sich mit dem Gast zu unterhalten. Serviert werden zunächst Hähnchenflügel an einer pikanten Balaq-Sauce, gefolgt von Tintenfisch in Teigschlangen. Den Abschluss machen gedörrte Früchte in kandiertem Zucker.

Man isst, man plaudert, man entspannt sich. Nur einer kann das Festmahl nicht in vollen Zügen geniessen. In etwa einem Mondlauf wird Farid die Geborgenheit seiner Heimat verlassen und auf seine erste grosse Reise ziehen…

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