Véro Eugeno

PhexsymbolVéro, tagsüber der unauffällige Mann an der Strassenecke, der dir alles besorgt, was du willst, vorausgesetzt der Preis stimmt, nachts schleicht er über Dächer und Flure, auf der Suche nach der nächsten Herausforderung seines Herren, des Gottes der Diebe und Händler.

Ein Schritt zu viel

Erinnerungen an einen missglückten Einbruch

Nicht dass es das erste Mal gewesen wäre, dass Sumus Griff ihn packte, aber dieses eine Mal, schien sie Ihn für seine Unachtsamkeit regelrecht bestrafen zu wollen und liess es nicht beim blossen Greifen sondern schleuderte ihn mitsamt seiner Beute erbarmungslos in die zweitoberste Loge…

Véro Eugeno steht, wie an jedem Markttag, wie an jedem Tag überhaupt, an der Kreuzung von Krämergasse und Merestastrasse und hält nach seinem Mittagessen Ausschau. Dieser verloren aussehende Thorwaler dort drüben etwa? Oder doch eher sein „Stammkunde“ Jacoero di Castrelli, ein verzogener Bengel aus den reicheren Vierteln. Versucht sich hier unters Volk zu mischen, aber man erkennt seine Art an jeder seiner Bewegungen, an jedem Wort, dass er in gekünstelt schlechtem Horathi spricht. Aber er zahlt gut, oder besser Véro lässt ihn gut zahlen.

Aber nein, heute will Véro mal etwas anderes als zum hunderttausendsten Mal Dietriche besorgen. Unauffällig nähert er sich dem Thorwaler. Es ist fast so als würde der rothaarige Hüne auf ihn zugehen und nicht umgekehrt. Er sucht einen Waffenschmied. Ja das ist ganz schwierig zu finden in Kuslik, jedenfalls, wenn er etwas taugen soll. Aber der Thorwaler hat heute seinen Phextag, Véro kennt genau den richtigen, nur leider wohnt dieser am anderen Ende der Stadt… Mahlzeiten für heute gesichert. Fragt sich nur, was man aus der heranrückenden Nacht machen soll.

Eine neue Herausforderung muss her. Véro kennt seine Fähigkeiten, oder glaubt wenigstens, sie zu kennen. Systematisch kundschaftet er Juweliere, Galerien und Hotels aus, kommt aber wie am Vorabend schon zur enttäuschenden Erkenntnis, dass alle noch nicht begangenen Einbrüche entweder nicht Phex-gefällig – weil zu einfach – oder ohne Mondsilberschlüssel unmöglich sind. Um diese Nacht dennoch nicht tatenlos verstreichen zu lassen, entschliesst sich Véro, drei Einbrüche innert einer Stunde durchzuführen. Doch schon beim ersten Schmuckkästchen endet die Diebestour. Leer. Jemand war vor Véro hier. Nicht irgendjemand, sondern sein Mentor Jacuro. Seine Handschrift auf dem Zettel ist unverkennbar:

„Von dir hätte ich mehr erwartet, mein Schüler. Dieser Raum war ja nicht mal abgeschlossen. Für eine echte Herausforderung, triff mich in 16 Tagen vor dem Tempel des Praios zu seiner 16. Stunde. Wir holen die Sterne vom Himmel.“

Das lässt sich Véro nicht zweimal anbieten und so „besorgt“ er noch in derselben Nacht alles, was man für den Marsch nach Vinsalt so braucht. Mit den „Sternen“ ist der einzigartige Kronleuchter in der Alten Oper gemeint. Der beste Glasschneider des Horasreichs habe ihn entworfen und geschliffen. Er lasse das Licht der Kerzen wie ein Meer von Sternen an der tiefblauen Decke erscheinen, so sagt man sich.

Das Opernhaus ist auch ausserhalb der Saison gut bewacht. Trupps von drei Mann patrouillieren in unregelmässigen Abständen und nicht genutzte Eingänge werden nicht nur abgeschlossen, sondern regelrecht verbarrikadiert. Nach ganzen zwei Tagen Beobachtung und Informationsbeschaffung schreiten Lehrer und Schüler schliesslich zur Tat.

Jacuro glaubt fest an die Fähigkeiten seines Schülers und überlässt ihm die ehrenwerte Aufgabe des Stehlens, während er selbst für genügend Verwirrung sorgt. Der Opernsaal umfasst unglaubliche vier Stockwerke und – wie könnte es anders sein? – der Kronleuchter hängt knapp unter der Decke. Allerdings muss auch der schönste Leuchter ab und zu gereinigt werden: In Wänden und Decke ist ein ausgeklügeltes System von Flaschenzügen eingebaut, die es einem Mann alleine erlauben das Riesending bis auf den Boden hinunter zu lassen. Doch dafür ist keine Zeit, die oberste Loge muss reichen. Mit einem Seil wird der Leuchter herangeholt und Véro macht sich ans „Pflücken“ der Beute.
Die untersten Brillanten sind noch einfach zu holen und der Dieb kommt schnell voran, schneller als geplant. Vielleicht reicht es sogar noch für die dritte Reihe, diejenige mit den grössten und komplexesten Steinen. Jucaro würde sicher stolz auf ihn sein, denkt Véro und steigt noch höher, doch das war

EIN SCHRITT ZU VIEL.

Schnell rappelt sich Véro wieder auf, wischt sich das Blut aus dem rechten Auge, sammelt ein, was nicht in tausend Scherben zersprungen ist – nicht viel – und macht sich aus dem Staub. Das ganze Opernhaus ist nun erfüllt von hektischen Befehlen, viel Getramoel und einem plötzlich aufkommenden seltsam dichten Nebel. Jucaro und Véro machen sich auf den Weg des Fuchses. Bald wird die ganze Phexkirche und jeder anständige Einbrecher von Véro Eugenos Unfähigkeit wissen.