Woltan Pedersjepen

Wie alles begann

Es war ein eisigkalter Winter und der Monat des alten Mannes vom Berg hatte heute erst begonnen, als Woltan Pedersjepen zum ersten Mal Praios Geschenk erblicken durfte. Obwohl der Winter hart war, wie es normal ist für das Bornland, konnte Woltans Vater Maldorn, ein einfacher Bauer, nicht behaupten, dass Firun es schlecht mit ihm meinte. So schnell wie die Eisige Zeit gekommen war, so schnell war sie wieder verschwunden und Woltans Familie, insbesondere seine Mutter Landike, konnte sich rührend um ihr Neugeborenes kümmern. Er war auch der erste Sohn der Familie und war ihm schon bestimmt in Zukunft den Hof zu übernehmen.

Eine erfüllte Jugend…
So liess Satinav die Zeit verstreichen und Woltan war zu seinem prächtigen Jungen heran gewachsen. Er konnte jetzt schon im Haushalt aushelfen, während sich Maldorn um die Felder kümmerte. Seit der Sohn geboren war, schienen die Winter milder zu werden, was dem Hof natürlich gut tat und was – dank des Geburtsdatums von Wotan – dem Jungen zugeschrieben wurde. Er wurde sogar im ganzen Dorf dafür gelobt und viele Leute fürchteten ihn schon fast. Der unzulängliche Segen Hesindes im Dorf hatte  natürlich auch seine Finger im Spiel gehabt. So wurde er fast im ganzen Dorf bekannt mit seinem zwölften Lebensjahr bekam er auch die Erlaubnis erteilt mit seinem Vater auf das Feld arbeiten zu gehen. Der Junge selber freute sich natürlich riesig und es schien der Weg geebnet zu sein für das weitere Leben.
Nicht viele Praiosläufe später verfing sich der Bauernsohn auch im Netz einer Bauerntochter Alida und zu seinem Glück wurden seine Gefühle auch erwidert. Es mag an seinem Ruf im Dorf gelegen haben, doch war Woltan dies egal. Zwei Jahre schon verhielten sich Woltan und Alida wie Erwachsene unter dem Traviabunde und sie beschlossen auch diesen zu schliessen, sobald der nächste Sommer beginnen würde.

…die im Alptraum endet

Es kam anders als alles geplant war. Dieser Winter war so gnadenlos, wie alle Winter seit 14 Jahren zuvor gnädig gewesen waren und alle Nahrung ging nahezu kaputt. Firun meinte es nicht gut mit dem Dorf und auch alle Jäger konnten keinerlei Beute fangen. Da Woltan für alle guten Winter verantwortlich gewesen war, musste er wohl auch an diesem schlechten Schuld tragen. Es war weithin bekannt, dass Alida und Woltan sich des häufigeren trafen und genau dies bezeichnete man als Grund für Firuns Ungnade, da er wohl diese rahjagefälligen Stunden schlecht hieß. Woltan erlebte einen traumatischen Schock, als sich selbst Maldorn und Landike gegen ihn wandten und von ihm forderten seine Schuld abzutragen. Nun von der eigenen Unschuld nicht überzeugt willigte er ein zu einem Firunsschrein in der Nähe geschickt zu werden. Er besuchte vor seinem Abschied noch Alida mit den schlimmsten Befürchtungen, dass selbst sie ihm die Schuld geben würde, was er bereits tat ohne es zu wissen. Doch sie hielt zu ihm, sie versprach ihm sogar auf ihn zu warten, bis er seine Schuld abgezahlt hätte, aber Woltan wandte sich nur ab und stapfte weiter, während ihn die Tränen auf den Wangen einfroren. Er drehte sich erst nach 5 Schritt um und schrie, dass er zurückkehren würde und mit ihr den Traviabund schliessen würde, egal wie viel mal sich Satinavs Rad auch drehen möge und floh dann in den Sturm.

Bekennung zum Glauben
Das nächste Problem, dem Woltan gegenüberstand, fand sich vor dem Firunsschrein. Was wollte schon ein Schreinsaufseher mit einem dummen Bauerntölpel, der nur Nahrung brauchte? Er schickte den dummen Jungen fort, doch dieser setzte sich stur vor den Schrein hin und machte keinen wank. Der Schreinsaufseher war sich sicher, dass der Junge wieder zur Besinnung käme, wenn Praios das Firmament verlassen würde und Mada ihr kaltes Licht auf Dere warf, doch am nächsten morgen machte er sich grosse Vorwürfe, als er den Jungen halberfroren auffand. Er nahm ihn zu sich nach hause und als der Junge wieder vollständig gesund war, bekam er zuerst einige belehrende Schläge und eine Moral predigt. Danach stellte sich der Schreinsaufseher jedoch vor als Godrik Pedersjepen und im Herzen hatte er den Jungen wohl lieb gewonnen, was auf seinem eisernen und strengen Gesicht nie zu sehen war.
Vier Jahre lang war Woltan nun unterwiesen worden nach seiner Initation von dem alten Godrik Pedersjepen in dem Zwölfgötterglauben und in Art und Weise, wie man sich dem Wintergott untertan zeigt. Allerdings nur theoretischer Natur, da Godrik schon viel zu alt gewesen war, um ihm auch in der Praxis etwas beibringen zu können. Er schickte ihn deshalb mit einem jungen, pilgernden Firunsgeweihten namens Tellarum mit, der ihm den Umgang mit Pfeil und Bogen lehren sollte. Bevor Woltan sich aber auf den Weg machte, fragte er Godrik, den Woltan als zweiten Vater empfand, nach der Erlaubnis seinen Nachnamen tragen zu dürfen, da er bisher keinen besaß. Dieser gab ihm diese auch unter der Bedingung, dass Woltan seine Tochter Vistella besuchen würde, sobald er die Ausbildung abgeschlossen hätte, und ihr dieses Erbstück ihrer Mutter überbringen würde, da er schon zu alt sei, um grosse Reisen zu unternehmen und er hier Pflichten hätte. Mit dieser Aufgabe verliess er schließlich seinen alten Lehrmeister, diesmal ohne irgendwelche Emotionen zu zeigen, auch wenn er sie empfand.

Der erste richtige Auftrag
Nach drei Jahren verliess er auch seinen zweiten Lehrmeister Tellarum, der wohl in den Künsten mit dem Bogen schon längst überholt war von Woltan. Trotzdem bedankte dieser sich förmlich bei seinem Lehrer und machte sich auf die Suche nach der Tochter Godriks. Er konnte sie schließlich ausfindig machen in der Burg Ulmenstein, bei der sie nun schon seit einiger Zeit die Wälder bewachte. Er kam kurz nach einem Jagdturnier an, bei welchem, wie Vistella ihm berichtete, nachdem er das Erbstück übergeben hatte, unheilige Szenen sich abgespielt hatten. Vistella bat ihn schließlich die Hauptakteure der Jagd unter die Lupe zu nehmen, es handelte sich dabei um einen gewissen Sindar, sowie Charles. Vistellas Bitte natürlich gerne folgend, schließlich war sie die Tochter seines ehemaligen Meisters, nahm er nun die Verfolgung auf.