Lares Honorald

Chroniken eines Kriegers

aufgeschrieben von Karon Bladeak

Ich, Lares Honorald, Krieger der Akademie Schwert und Schild zu Baliho, Sohn von Lars Honorald, hatte eine ruhige und einfache Kindheit. Mein hochgeehrter Vater war ein Kaufmann Balihos. Einst war er ein einflussreicher Mann, der bekannte Medicis und Heilkundige zu seiner Kundschaft zählen durfte. Er verkaufte vor allem Kräuter und Pflanzen zur Herstellung von heilenden Gebräuen und Mitteln, aber auch die Utensilien, die man für die Fertigstellung eines solchen Trankes brauchte. Einst lernte er bei einem alten Alchemisten die Kunst der Alchemie, doch merkte er früh, dass diese Profession nicht seine Welt war. Er hatte schon in seiner Jugendzeit einen sechsten Sinn, was das Handeln und Feilschen anging. Erst viele Jahre später, als ich das zwanzigste Lebensjahr bereits überschritten hatte erfuhr ich, was der Grund für den prallgefüllten Geldbeutel war und was sich hinter dieser verschlossene Tür in unserem Keller verbirgt, die für meine kleine Schwester und mich immer verschlossen blieb. Aber zu dem später.

Meine Mutter, Fabale,  stammt aus einer alten Viehzuchtfamilie aus der Umgebung von Baliho. Einst galt ihre Familie zu den grössten Viehzüchter in ganz Weiden, doch mehrere Umständen führten zu grossen Verlusten in den Herden, so dass sie kaum eine Mitgift in die glückliche Ehe mit einbringen konnte. Zuerst wurde ein grosser Teil der Herde durch eine einfallende Orktrupp verschleppt. Zwei der diebischen Orks wurden zur Strecke gebracht, doch leider waren die Restlichen bereits über alle Bergen. Dazu kam ein paar Jahre später noch eine Seuche, die Tiere lagen wie tote Fliegen auf den Weiden rund um Baliho und seinen Weilern. Die Ursache für diese Katastrophe wurde nie gefunden.

Ich durfte meinen Vater bereits in sehr jungen Jahren begleiten. Er meinte immer, je früher ich die Leute kennen lernte und wusste wie man verhandelt, desto schneller könne ich ihn tatkräftig unterstützen. Doch in diesem Punkt war ich nicht mit meinem Vater verwandt. Ich hatte nie eine lose Zunge, Reden war nie meine Stärke. Später erfuhr ich auch, dass ich bereits als Kleinkind sehr lange brauchte, um mein erstes Wort zu sagen, „Plante“, was wohl „Pflanze“ heissen sollte und mein Vater stolz machte, denn es war ja schliesslich sein Gebiet. Aber ich begleitete meinen Vater immer gerne, so war es doch immer ein Abenteuer, unbekannte Orte, fremde Menschen und mysteriöse Düfte. Viel war mein Vater aber auch alleine unterwegs, denn meine Mutter verbat es mir, ihn auf den längeren Reisen zu begleiten. Dann verbrachte ich die meiste Zeit mit Karon, Sohn eines Waffenschmiedes in Baliho. Meistens verbrachten wir die Nachmittage in der Nähe der 1000 jährigen Eiche, ein Ort, der mich schon immer faszinierte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass dort eine spezielle Energie vorhanden sein muss. Wie fast alle andern Knaben in unserem Alter, rauften wir uns viel und spielten schon lang verstorbene Helden, von denen unsere Väter uns erzählten. Natürlich brauchten wir dafür auch Schwerter und Stäbe, doch wir mussten uns mit Holzstecken begnügen. Wir mussten feststellen, dass selbst mit gebastelten Holzwaffen blutige Wunden entstehen konnten und wenn wir nach so einem Nachmittag weniger als fünf blaue Flecken nach Hause trugen, war dies eine Ausnahme. Auch jetzt noch denke ich gerne an die Zeit mit Karon zurück. Er war mir meistens Überlegen, schliesslich musste er zu Hause seinem Vater helfen, die schweren Metallstangen zu verstauen und durfte ab und zu sogar selber seine Schmiedfertigkeiten erproben. Die einzige Möglichkeit, die ich hatte, gegen ein körperlich überlegener Kämpfer war die Flinkheit und im Fall von Karon auch die Taktik, den zu den intelligentesten Kämpfer gehörte er nicht. So kam es, dass bei einem hitzigen Gefecht er völlig seine Deckung aufgab und wild auf mich zustürzte. Ich duckte mich unter seinem Hieb durch und verpasste ihm einen gezielten Schlag seitlich an den Kopf. Anscheinend war es ein etwas zu stark ausgeführter Schlag, denn die blutende Wunde war etwas gar gros. Die Platzwunde war nicht schlimm, aber dennoch musste ich zuerst von Karons Vater eine lange Moralpredigt ertragen und dann bekam ich auch von meinem Vater noch Hausarrest. Dabei hatte ich mich nur ehrhaft einem Angriff entgegengestellt.

Von da an, durfte ich vermehrt meinen Vater begleiten. Wahrscheinlich wollte er damit erreichen, dass ich nicht wieder jemanden verletze. Als ich das 14. Lebensjahr erreichte, begleitete ich meinen Vater das erste Mal auf einer grösseren Reise. Über das mir bereits bekannte Altnordern reisten wir auf der Debreks Pulether Pfalzstraße Richtung Gareth. Mein Vater beabsichtige auf dem Weg und in Gareth selber neue Handelspartner zu suchen und vor allem neue Sammler von Pflanzen und Kräuter. Wir besuchten noch vor der Abreise Karon und seinen Vater, denn eine solche Reise geht lange und ich wollte mich noch verabschieden. Ziemlich unerwartet lies mich mein Vater einen kleinen Dolch aus dem Angebot des Schmiedes auswählen. Die Begründung war, dass wir nicht wissen, was uns alles begegnen wird. Dieser kleine Dolch war das Grösste für mich. Auf der Reise strich ich zum Teil stundenlang über die Klinge, sie glänzte so schön in der Sonne. Mein Vater lernte mich auch, wie ich ein solches Messer in der Hand halten, welche Körperstellungen praktisch waren, wenn man angegriffen wird und wie man ein solches Werkzeug pflegte. Natürlich waren das nur ganz einfache Tipps, er war ja selber nicht im Umgang mit Waffen ausgebildet, doch ich trug den Dolch mit Stolz an meinem Gurt, den ich aus einem Stück Schnur mir bastelte. Es gab keinen einzigen Zeitpunkt, an dem ich den Dolch ablegte, mal abgesehen von den Waschtagen.

Die glücklichen Tagen meiner Kindheit endeten kurz nach dem wir von dieser Geschäftsreise aus Gareth zurück kamen. Mein Vater zog sich, wie fast jeden Abend, in diesen Raum im Keller zurück, den er mir zu betreten strengstens verboten hatte. Es gab Zeiten, da platzte ich fast vor Neugier, was wohl hinter dieser schweren schwarzen Türe steckte, aus der es manchmal speziell roch, zum Teil so, dass einem die Nase brannte, manchmal aber, dass man nicht mehr scharf sehen konnte. Dann verschwamm einem alles vor den Augen und es war schwierig den Weg ins Bett zu finden. An diesem Abend war ich noch mir Karon draussen, bei der alten Eiche, wir übten uns mal wieder im Holzschwertkampf. Schon von weitem sah ich Rauch über der Stadt aufsteigen, ich verlor darüber aber keine Gedanken, es kam ihm wieder vor, dass irgendwo in der Stadt ein Feuer stark raucht, vielleicht ist es ja auch hinter der Stadt. Ich lag falsch. Die Flammen hatten unser Haus bereits fest im Griff und es gab wohl kein Holzbalken, der nicht bereits brannte. Leute rannten in der Gegend herum, versuchten verzweifelt mit Holzeimern die Flammen in Schacht zu behalten, jedoch mit nur kleinem Erfolg. Der Vater von Karon war auch da. Ab und zu gab es kleinere Explosionen, die meisten schienen aus dem Keller zu kommen. Ich konnte mich nicht erinnern, dass wir überhaupt etwas Explosives hatten. Geistesabwesend wurde ich von dem Haus weggezerrt, keine Ahnung mehr von wem. Ich weiss nur noch, dass jemand mir immer wieder sagte, dass es meinem Vater gut gehe, er sei bewusstlos hinter dem Haus gefunden worden und werde nun versorgt. Ich konnte keine klaren Gedanken fassen, was ist geschehen, wo ist mein Vater, meine Mutter, meine Schwester. Wo soll ich nun hin, ein Haus haben wir nicht mehr. Ich wurde weiter weg gezerrt, es sei zu gefährlich hier. Eine weitere Explosion, die Nase fing wieder an zu brennen und alles drehte sich.

Als ich erwachte, lag ich im Bett von Karon. Ich erkannte es sofort, trotz meines verschwommenen Blickfeldes, ich war ja schon öfters hier gewesen. Plötzlich flogen mir Bilder durch den Kopf, unser brennendes Haus, die Explosionen, all die herumrennenden Menschen, meine Familie, als wir alle zusammen glücklich assen, aber das war am Tag zuvor. Neben mir bewegte sich etwas. Ich erkannte Karon und seine Mutter, beide mit besorgtem Blick. Die Mutter gab mir etwas zu essen, sah mir stillschweigend dabei zu. Ich erfuhr, dass es meinem Vater wieder besser gehe, jedoch, ihre Stimme versagte und sie musste nochmals tief durchatmen. Jedoch hatten die Flammen meine Schwester und meine Mutter mit sich zu Boron geholt. Schon wieder konnte ich nicht mehr Denken, meine Schwester und meine Mutter. Sie seien im Schlaf von den Flammen überrascht worden. Vom Haus seien nur noch ein paar Balken vorhanden, die ganze Nacht hat das Feuer noch gewütet.Ich lag eine halbe Woche im Bett, ass kaum etwas, trank nur wenige Schlucke pro Tag. Der Zustand von meinem Vater wurde wieder schlechter, er hustete Blut, anscheinend musste er etwas eingeatmet haben, als das Feuer ausbrach. Als ich ihn das erste Mal besuchte, lag er nur da mit dunkel umrandeten Augen. Er wurde von einem seiner Kunden behandelt, doch in seinen Augen sah man, dass er bereits aufgegeben hat zu hoffen, dass mein Vater durchkommt. Er fragte mich, ob ich wisse, was mein Vater im Keller gemacht hat, damit er vielleicht etwas gegen den Husten unternehmen konnte. Ich wusste es nicht, es war mir ja verboten.

Ich durfte in dieser Zeit bei der Familie von Karon wohnen. Sie sorgten sich gut um mich und versuchten mich abzulenken. So zeigte mir Karon’s Vater, Birano, wie man einen Hammer hält und ihn zielsicher schlägt. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Daneben brannten mich meine Augen und mein Sichtfeld war immer noch verkürzt. Ich wusste noch nicht, dass dies nie mehr viel besser wird. Zwei Wochen nach dem Brand starb mein Vater. Er erlag nicht nur an den inneren Verletzungen. Er machte sich grosse Vorwürfe, seine Frau und Tochter ermordet zu haben. Erst nach Abschluss der Ausbildung an der Akademie erfuhr ich, dass er im Keller Gifte und explosive Flüssigkeiten herstellte, die er einer zwielichtigen Kundschaft verkaufte. Es musste einen Umfall gewesen sein, es entstanden Flammen und er konnte sich noch gerade aus dem Keller schleifen, bevor eine Explosion das ganze Haus entzündete.

Kurz nach dem Tod meines Vaters kam ein Ausbildner der Akademie Schwert und Schild zu Baliho. Die Akademie war Kunde von meinem Vater, den bei einer solchen Ausbildung war der Konsum von heilenden Mittel recht hoch. Anscheinend hatte er die Leiterin gebetet, mich Auszubilden, auch vermachte er ihr fast seine ganzen Ersparnisse, damit ich aufgenommen wurde. Mein Leben änderte sich schlagartig.