Isha as Sarjaban

Mein Name ist Isha as Sarjaban. Meine Mutter war die Tochter von Sulman ibn Achmad, Neraida mit Namen. Sie verliebte sich in einen Mann und er sich auch in sie, doch die Beziehung stand unter keinem guten Stern, denn er war ein Sklave im Hause ihres Vaters. Dennoch verbrachten die Beiden manch rahjagefällige Stunden zusammen und das Ergebnis war ich. Als Sulman ibn Achmad von der Schwangerschaft seiner Tochter erfuhr verstiess er sie um die Schande nicht ertragen zu müssen. Was mit meinem Vater geschah weiss ich nicht.

Aufgewachsen bin ich in einem der Armutsviertel von Fasar. Meine Mutter arbeitete als Schreiberin auf dem Markt und von ihr lernte ich im Alter von drei Jahren das lesen und schreiben. Ich liebte diese Tintenzeichen die mir immer neue Geschichten erzählten und konnte Stunden damit verbringen sie in zu Worten und Sätzen zusammen zu setzen. Sie übernahmen in gewissem Mass die Aufgabe der Freunde die ich nie hatte. Ich war ein aufgewecktes Kind und noch dazu fast unerträglich neugierig und als ich älter wurde löcherte ich meine Mutter pausenlos mit Fragen. Ich wollte wissen, warum die anderen Leute im Viertel nichts mit uns zu tun haben wollten und warum die anderen Kinder nie mit mir spielten. Natürlich wollte ich auch wissen wieso ich keinen Vater hatte, aber wenn ich nach ihm fragte wurde Neraida still und in sich gekehrt und irgendwann hörte ich auf nach ihm zu fragen, um sie nicht mehr traurig zu machen.

Als ich etwa sieben Jahre zählte begann ich mich für die Götter zu interessieren. Diese Neugier wurde vor allem durch die Traviageweihten geschürt, die in regelmässigen abständen unser Viertel besuchten, um den Menschen die Zwölfe nahe zu bringen und die Ärmsten zu speisen. Sie predigten auch von den Göttern und der göttergewollten Ordnung der Welt. Natürlich erweckte dies meine Neugier und ich begann sie mit fragen zu quälen. Ich wollte wissen wieso es denn arme Leute gebe und reiche, ob es denn der Göttliche Wille sei, dass Menschen leiden mussten und natürlich auch warum meine Mutter und ich von allen so abschätzig behandelt wurden und niemand etwas mit uns zu tun haben wollte. Konnte dies alles der Wille der Götter sein, und wenn ja wieso behandelten sie die Leute so schlecht? Diese Fragen verärgerten die Geweihten und ängstigten meine Mutter. Sie fürchtete um mich denn solche Fragen waren gefährlich.

Meine Jugend würde die Inquisition nicht unbedingt davon abhalten in mir eine Ketzerin zu sehen. Also verbot sie mir weiterhin solch gefährliche Fragen zu stellen und malte mir, zur Verdeutlichung der Gefahr, in die mich solche Aussagen bringen konnten, in äusserst lebhaften Bildern aus was mit mir geschehen konnte, wenn ich der Inquisition auffiel. Diese Schilderungen prägten sich mir sehr tief ein und führten dazu, dass ich aufhörte Fremde mit Fragen zu belästigen. Ich wurde vorsichtiger und verschlossener gegenüber anderen Leuten und behielt insbesondere Ungewissheiten, die die Götter betrafen, für mich.

Stattdessen begann ich mir selbst das Wissen über Dinge anzueignen die mich interessierten. Ich verbrachte praktisch meine gesamte, knapp bemessene, freie Zeit in der Bibliothek des Hesindetempels, immer auf der Suche nach neuen Texten, Geschichten und Berichten, die meine unersättliche Neugier stillen sollten. Vor allem was mit den Zwölfgöttern zu tun hatte interessierte mich, da ich vieles nicht verstand, was die Priester lehrten.
Da ich den Hesindetempel fast jeden Tag aufsuchte kannten mich die Priester bald. Insbesondere Einer schien sich für mich zu interessieren. Sein Name war Hairan al Alam und mit der Zeit gelang es ihm mein Vertrauen zu gewinnen. Er hörte mir zu wenn ich fragen hatte und versuchte sie so genau wie möglich zu beantworten. Hairan war es auch der mich als Novizin in den Tempel holte als ich zwölf Jahre alt war. Meine Lehrjahre habe ich als wunderbare Zeit in Erinnerung, zum ersten Mal wurde ich als gleichwertig akzeptiert und geschätzt. Hairan wurde für mich zu einem väterlichen Freund und Mentor der mir unterstützend zur Seite stand.

Er war etwa zwölf Jahre älter als ich und als ich und als ich sechzehn war entwickelte ich eine schwärmerische Verliebtheit für ihn, die ich jedoch nach Möglichkeit vor ihm zu verbergen trachtete.
In meinem fünften Jahr im Hesindetempel wurde meine Mutter sehr krank und starb bald darauf. An ihrem Sterbebett erzählte sie mir endlich ihre und meines Vaters Geschichte und nannte mir seinen Namen: Faizar ibn Rashim. Ich musste ihr versprechen, dass ich nach ihm suchen würde sobald ich zur Priesterin geweiht war.

Als ich die Weihe erhalten hatte blieb ich jedoch vorerst im Tempel. Ich wollte noch weiter studieren und möglichst viel über Aventurien erfahren, bevor ich zu meiner Reise aufbrach. Diese Reise sollte ja nicht nur dazu dienen meinen Vater auf zu stöbern, sondern auch mir zu neuem Wissen verhelfen. Ausserdem spielten wohl auch meine Gefühle für Hairan eine nicht ganz unerhebliche Rolle, auch wenn ich mir das nicht eingestehen mochte. Doch je mehr Zeit verstrich, umso unruhiger wurde ich. Einerseits wollte ich mich endlich auf die Suche machen, andererseits fürchtete ich mich auch davor und wollte die Abreise hinauszögern. Zulange lebte ich schon hinter schützenden Tempelmauern. Ich fürchtete mich davor, wieder in eine, mir feindlich gesonnene, Welt hinaus zu gehen.

Hairan war es der mich schliesslich dazu überredete, den Tempel zu verlassen und als Lehrende umher zu ziehen. Ich packte also meine Sachen zusammen und machte mich auf den Weg. Ich reiste durch verschiedene gebiete der Tulamidenlande und unterrichtete in jedem Dorf die Menschen in den Hesindegefälligen Fertigkeiten. Doch wohin ich auch kam niemand hatte je von einem Faizar ibn Rasim gehört. Nach einem Jahr Wanderschaft kehrte ich in den Hesindetempel nach Fasar zurück. Zwar bereichern durch die vielen Hesindegefälligen Taten, doch auch enttäuscht, weil ich nichts über meinen Vater in Erfahrung gebracht hatte.

Ich blieb über zwei Jahre im Tempel und nahm meine Studien der aventurischden Götterwelt wieder auf, welche ich inzwischen auch auf die Götter anderer Völker ausgedehnt hatte. Es mochte wohl auch eine Rolle spielen, dass Hairan noch immer im Tempel weilte. Doch letzten Endes konnten mich weder meine Gefühle, noch meine geliebten Bücher von der Idee abbringen wieder auf Wanderschaft zu gehen. Das versprechen, das ich meiner Mutter gegeben hatte liess mich nicht los und ich wollte alles in meiner Macht stehende tun um es zu erfüllen. Ich hatte vor zunächst nach Rashdul zu gehen, denn die Familie meiner Mutter war dorthin gezogen, wie ich herausgefunden hatte. Mit diesem Wissen sah ich zum ersten Mal eine Chance, meinen Vater doch noch ausfindig zu machen.

Obwohl mich dies zum Aufbruch drängte hielten mich meine Gefühle für meinen alten Freund und Mentor noch zurück. Sie waren mit den Jahren nicht etwa schwächer geworden sonder immer mehr gewachsen und nun beschloss ich Sie Hairan zu gestehen. Er wies mich jedoch zurück. Und nun da ich wusste, dass jedes Hoffen vergebens war machte ich mich auf den weg nach Rashdul, in Fasar gab es nichts was mich noch hielt…