Charles de Beaumonage

Ich bin in Elenvina aufgewachsen, mein Vater war Händler und hatte einen Stand direkt vor dem Haus an dem er Waffen verkaufte. Er war ein strenger Mensch und duldete es nicht, dass ich und mein Bruder Daniel den Verkaufswahren zu nahe kamen, geschweige denn sie berührten. So lernte ich den Umgang mit Waffen erst nach meinem zwanzigsten Lebensjahr. Bis dahin erlernte ich mit meinem Bruder in den Gassen der Stadt das Messerwerfen, das ich auch einigermassen beherrschte. Da mein Vater nicht wollte, dass ich im Haus war, verbrachte ich die meiste Zeit meiner Jugend in den Strassen von Elenvina.

Eines Tages, ich liess mich gerade über den Marktplatz treiben, beobachtete ich einen unauffällig gekleideten Mann dabei, wie er mit einem Messer den Beutel einer reichaussehenden Dame aufschlitzte und dessen Inhalt in seine Tasche gleiten liess. Ich folgte dem Mann, ohne dass der es bemerkte und konnte weitere Diebstähle beobachteten. Nach mehreren Stunden trat ich auf den Mann zu und sprach ihn an.

„Bring mir dein Handwerk bei.“
„Was willst du Bengel?“
„Du beklaust die Leute, ich will das auch lernen.“
Der Mann brach in schallendes Gelächter aus. Ich rief nach den Stadtwachen, doch keiner beachtete mich.
„Siehst du Kleiner, wenn man so jung ist wie du wird man von niemandem beachtet…“
„Dann wäre ich doch ein guter Dieb! Brings mir bei!“
„Na gut, aber du must mir zuerst beweisen, dass du auch fähig bist. Wenn du bis morgen eine Dukate erbeutet hast werde ich dir einige Tricks beibringen können.“
„Morgen. Hier.“

Voller Freude und Optimismus ging ich nach Hause und überlegte mir wie ich eine Dukate auftreiben konnte. So viel Geld hatte ich noch nie in den Händen gehabt und hatte auch keine Ahnung wie ich es beschaffen sollte. Meinen Vater beklauen schien mir dabei die einzige Möglichkeit zu sein. Doch wenn er es bemerkte…
Es gelang. In einem Augenblick der Unaufmerksamkeit griff ich in seinen Beutel und zog eine Münze heraus.
„Sohn, was machst du hier? Ich habe dir doch ausdrücklich verboten hier rumzulungern!“
Wütend über den wiederholten Verweis verdrückte ich mich, freute mich aber ausserordentlich über den Gelungenen Diebstahl. Das Gold strahlte im Schein der Sonne, meine erste Beute, ein Anfang eines Weges der mein Leben bezeichnen sollte.
Als ich am Abend meinem Bruder davon erzählte war er zuerst entsetzt und wollte es meinem Vater erzählen. Doch gelang es mir, wie immer, meinen Bruder auf meine Seite zu bringen und ich brachte ihn sogar soweit, dass er am nächsten Tag unbedingt mitkommen wollte. Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass mein Bruder zu dieser Zeit schon fast fünfzehn Jahre zählte und ich meinen dreizehnten Geburtstag hinter mir hatte, den ich jedes Jahr im Monat des Phex feiere.
Am Abend bemerkte mein Vater voller Wut dass ihm eine beträchtliche Summe fehlte.
„Drei Dukaten sind mir abhanden gekommen, das ist eine Katastrophe!“, zeterte er
„Drei?“, sagte ich beinahe laut, doch das schien niemandem ausser meinem Bruder beachtet zu haben. Er blinzelte mir verschwörerisch zu.

Am nächsten Morgen trafen wir uns wie verabredet mit dem Mann, der sich nun als Matheo zu erkennen gab. Er wurde zu unserem Lehrer und wurde auch ein Freund von uns beiden. Sehr bald stellte sich heraus, dass mein Bruder viel schneller lernte und auch begabter war als ich. Er raubte bald bei Tag die Leute auf dem Markt aus und brach des Nachts in Häuser ein, die ich nicht einmal betreten konnte.
Anfangs arbeiteten wir noch zusammen, aber bald wurde ich zur Last und durfte nicht mehr mit. Das erfüllte mich zuerst mit Trauer und später mit Wut. Sie schlummerte in mir und wuchs.
Eines Abends, es mochten schon fast zwei Jahre vergangen sein seit wir uns dem Handwerk der Diebe zu widmen begannen, fragte ich ihn ob ich nicht auch wieder einmal bei einem Bruch dabei sein könne. Er wies mich zurück und mein Zorn über ihn war nun zu gross. Ich sorgte dafür, dass der Einbruch schief ging und mein Bruder flüchten musste. Ich sah ihn nie wieder.
Kurz darauf starb auch mein Mentor und Freund Matheo.

Ich gab den Diebstahl auf und begann für meinen Vater im Waffenhandel zu arbeiten. Ich kaufte Waffen an, die er dann verkaufte und kam so durch die Lande. Alleine, ohne Freunde, ohne Freude. Ich wurde sehr einsam und grenzte mich ab. Immer hielt ich ausschau, ob ich nicht irgendwo meinen Bruder erspähen würde. Immer wieder glaubte ich ihn gesehen zu haben, aber als ich auf ihn zutrat entpuppte er sich als jemanden der ihm nur glich. So ging ich mehrere Jahre einer ehrlichen Arbeit nach.

Bis zu jenem von Phex gesegneten Tag. Ich sass in einer Taverne, trank meine täglichen drei Feierabendbier und beobachtete die Leute, die an dem Tisch neben mir sassen. Ein Mann mit grauem Haar erzählte eine Geschichte, die ich bis heute nicht vergessen habe.

Vom gyrigen Brueder

Es war fur lanner, lanner Zyt in inem wiitenfärnttem Lant geen Praios, da läbte in armr Buur mit synr Familie am Rande iner Stad. Där Buur arbeytete Dag und Nachd um syne Fruu und syner zwey Sön ernärn zu chönne. Där älter Son wolt studyrän und Magier wärdn, doch fählte dr Familie das nötig Gäld dazu. Syn jünger Brueder half dem Fater uuf dem Fäld um gnueg Gäld für syn Brueder zu verdien. Doch dr ältr Brueder sann und sann wi är zum Gäld kommen kont und verschwändet vyl Zyt damit. Da erschin däm jungen Bruder der Gott där Handler und Diebe: Phex. Er sprach mit siner grollend Stimm:

„Myn Jung. I ha gsehn wi du dich furr dyn Bruederr abrrackerrn tuusch und err nurr fulenzen tuut. Ich haab erbaarrmen mit dirr und wirrde dinerr Phexgefällig Tat immerr gelingen lassen, wenn du si fuurr dys überrläben oderr dynerr nächschten Wohl tuescht.“

Dr junger Brueder isch no am gliichen Abend in dii Stad gezogen und het uf dem Markt inem Händler eyn Ey gestohlen. Das hat er dann mit fill Gschick witer verkouft bis er einen Platz an der Magierakademi fur synen Brueder het gehabt. Da isch er zurück gegangen und hat des synem Brueder erzählt. Doch der hat in uusgelacht und im nyt gegloubet. Doch Phex het dem jungen Brueder weisi Wort in syn Mund gegäben und syn Brueder het im gegloubt und isch Magier gworden. Die Jahr sind vergangen und der jünger Brueder isch eyn rycher Mann geworden. Doch er isch ouch überhablich gworden und als syn Fater gestorben war und syner Mutter im gefolgt, wurde er dreischt und gyzig. Är nahm immer mehr, mehr als är bruchte zum läben. Das sah syn Bruder und sagte zu ihm: „Myn Brueder du bischt rych genueg. Bis zfriden und tue nicht mehr weiter stählen.“ Doch dr junge Bruder tat nicht uf ihn hören und so sagte ihm syn Brueder erneut: „Myn Brueder du bischt rych genueg. Bis zfriden und tue nicht mehr weiter stählen.“ Doch wiederum tat er nicht auf ihn hören und so ging es zähn witere Mal. Da sah syn Bruder, dass är bald von den Stadwachn gefasst wärden würde und sorgte dafür, dass syn Bruder flüchten mueste. Dr jüngere Breuder schimpfte zum Phex, wieso är im nicht mehr hälfe und är habe flüchten müesen. Da sagte Phex mit syner grollend Stimme:

„Myn Jung. Ich habe dirr gesagt dass du nurr tuesch errfolgrrich si, wenn du nicht gyzig bisch, aberr du bischt es. Du hesch zwölv Mal mini Gnade errfahrren und dyn Brruderr het dirr z Läben grrettet, ich hät dich stärrben lassen. Siehsch du jetzt in, dass err dir gehulfen hat?“

Und däm jungen Brueder wurde klar, dass är synem Brueder das Läben zu verdanken het.

Mir wurde klar, dass mein Bruder die ganze Zeit Recht hatte und ich vermutlich bei einem Einbruch erwischt worden wäre, hätte er mich nicht davon abgehalten. An diesem Tag wurde ich von neuem Leben und Energie erfüllt. Ich machte mich auf den Weg zu meinem Vater um ihm zu sagen, dass ich ab sofort meine eigenen Wege gehen werde. So begann ich mein altes Handwerk wieder aufzunehmen und zog bald in die eine, bald in die andere Stadt und hinterliess immer Lücken in den Finanzen Reicher.

Bis zu jenem Tag als ich auf der Reise nach Albenhus in eine seltsame Geschichte verwickelt wurde…