Ein Brief sagt eben doch nur die halbe Wahrheit und hört viel zu früh auf, denn so vieles, dass eigentlich hätte erwähnt werden sollen, verschwieg Visalyar seinem Pflegevater einfach. Doch er vertraute es seinem Tagebuch an. Im Folgenden sollen die wichtigsten Auszüge davon abgedruckt werden. Dies ist einiges an Text und behandelt weniger das Abenteuer Totgeboren selber, als dass was danach geschah.

Illustriert und zum Download findet man die Tagebuchseiten auch hier zum Download.

Der Text enthält Spoilerinformationen zu tOtgeboren!

Rahjamond 1002

(…) Welch ein Glück, dass ich dieses Buch gefunden habe. Manche Menschen würden dazu vielleicht Schicksal sagen, doch mir ist Glück viel lieber. Ich kann es immer noch kaum fassen, dass ich Besitzer eines dieser legendären Exemplare von Portha Aithrica bin. Nun scheine ich mich endlich doch noch mit dem Äther befassen zu dürfen. Ich hoffe nur, dass ich möglichst bald zur Praxis übergehen darf. Man kann sich ja kaum Sphärologe nennen, wenn man den Limbus selbst noch nie betreten hat.

(…) Meine Gefährten hegen schon seit längerer Zeit einen Verdacht gegen mich, ich würde mich während meiner Wachzeit schonungslos betrinken oder ähnliches. Dabei will ich ihnen nur nicht unter die Nase reiben, dass sich ein Zwergengeist in meinem Stab eingenistet hat. Das ist auch wirklich sehr seltsam und das das gerade mir geschieht, der mit Zwergen nicht allzu viel anfangen kann – nun das scheint schon an Ironie zu grenzen.

(…) Was hat der Zwerg nur wieder für Interesse an dieser Blutulme? Nun wahrlich, eine Blutulme ist ein sehr seltener Baum und auch interessant, gerade mitten im Sumpf, doch dass ein Zwerg eine solche Besonderheit zu schätzen weiss – merkwürdig. Ah, ich spreche natürlich vom Geisterzwerg. Unsere Zwergengefährtin hätte dafür kaum ein Auge.

(…) Ein Siechender, dazu verdammt ewig im Sumpf zu herum zu irren. Wirklich sehr merkwürdig. Ich wette, da steckt eine tragische Geschichte dahinter, doch welche? Auf dem Grab finden sich frische Blumen und ich gehe davon aus, dass dieser Siechende sie darauf gelegt hat. Wer denn sonst? Leider ist die Grabinschrift zu verwischt um Näheres herauszufinden.

(…) Ich wage es kaum zu denken, doch könnte es sein, dass dieser Siechende mit den Dämonen im Bunde ist? Wie sonst sollte er, obwohl von schrecklichen und hoch ansteckenden Krankheiten befallen, immer noch lebt?

(…) Welch interessantes Artefakt ich hier aufgelesen habe. Dieser Turm würde sicher noch zahlreiche weitere Artefakte und Schätze bergen, wenn wir denn mehr Zeit hätten, ihn zu erkunden. Doch die Kugel scheint uns in diesem Labyrinth aus zwergischen Gängen sehr zu helfen, versagt doch jede andere Lichtquelle im Berg. Zudem scheint sie uns vor Gefahr warnen zu können, denn immer wenn wir einem dieser grausigen Untoten begegnen oder ehe eine Statue zu neuem Leben erwacht, leuchtet und vibriert die Kugel und warnt uns so vor der bevorstehenden Gefahr. Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte sie eingehend zu untersuchen…

(…) Einen Schatz wie ich ihn mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Doch viel mehr als eine Hand voll Edelsteinen konnte ich nicht mitnehmen. Ich schätze, dass dies auch gut ist. Wie ich mich kenne, würde ich all den Reichtum sowieso in windeseile in irgendwelchen Spelunken und Tavernen liegen lassen und kaum etwas davon sinnvoll verwenden. Ich darf meine Laufbahn nicht zu sehr vernachlässigen.

(…) Welch tristes Dasein man hier unten fristet. Ich spüre wie sich die Dunkelheit, die Stille und die Einsamkeit langsam auf mein Gemüt schlagen. Ich bin viel gereizter als sonst, errtage kaum Kritik und Kopfschmerzen plagen mich manchmal auch noch. Vielleicht alles nur Einbildung, aber lange halte ich es hier unten nicht mehr aus. Diese dauernde Angespanntheit, Nervosität und Orientierungslosigkeit machen mich noch wahnsinnig.

Praiosmond 1003

(…) Welche Freude es mir doch bereitet diesen Véro mal richtig hinters Licht zu führen, er der meine wunderbare Blume zerstört hat. Nun es scheint ganz schön an seinem Ego zu kratzen, dass ich der bessere Dieb zu sein scheine als er, ein Diener des Phex. Wenn er wüsste, dass ein Zwergengeist dies alles vollbringt.

(…) Eine Schande für die ganze Zunft ist dieser Nazirion ibn Alibay. Nicht nur, dass er ganz simpel zu bestehlen war, nein er scheint tatsächlich einem sehr starken Rauschmittel erliegen zu sein. Keine Ahnung wie es wirkt, er nennt es Samthauch und scheint ganz verrückt nach dem Zeug. Jedenfalls habe ich ihn damit in der Hand – was wieder für das Pulver spricht.

(…) Wir haben es tatsächlich vollbracht! Die Welt gerettet, Rache für Bruder Friedwyn und unseren Gefährten Ingvalion genommen und selbst noch am leben. Ich hätte es kaum für möglich gehalten. Beim zwölften von dreizehn Schlägen konnten wir den unheiligen Zwergenpriester stoppen – das Schwert ist unvollendet. Hervorragend! Und nun ab nach Hause.

(…) Es ist wirklich seltsam getötet zu haben. Ich hätte nie geglaubt, dass ich zu soetwas fähig bin, selbst bei solch dunklen und finsterten Gestalten. Nicht nur dass ich den Magier kaltblütig in den Tod gestürtz habe, nein auch Samira habe ich regelrechte zu Tode gerichtet – ja geschlachtet. Welch seltsames Gefühl. Ich fühle mich schuldig, obwohl sie es doch verdient haben…

Rondramond 1003

(…) Bald sind wir wieder zurück in Vinsalt. Gerade habe ich den Brief an die Akademie fertig geschrieben. Seltsamerweise vertraue ich mich nicht einmal meinem Pflegevater und Mentor alles an. Mit keinem Wort habe ich den Zwergengeist erwähnt – oder so manch andere Begebenheit, die doch eigentlich von höchstem Interesse ist. Ach, ich habe ja noch genügend Zeit meine Worte vor unserem Wiedersehen wohl zu wählen und zu Recht zu legen. Und was sage ich Arya? So lange habe ich sie nun nicht gesehen und als ich abreiste, gab es nicht einmal eine ordentliche Verabschiedung. So vieles das zwischen uns noch ungesagt blieb…

(…) Ha! Das entschädigte doch für so viele Mühen und Bürden! Das Gesicht von Veckts war köstlich und doch möchte ich ihn noch immer am liebsten erschlagen und in seinem eigenen Blut ertränken. So vieles hat er angerichtet und auch wenn ihm der Erfolg nun vergönnt bleibt, so kommt er doch ungestraft davon! Manchmal wundere ich mich doch über all die ausgeklügelten Systeme die wir uns ausgedacht und erschaffen haben um Recht zu wahren und die unrechten zu bestrafen. Und wo ist nun der allmächtige, allwissende und allsehende Praios und seine Diener? Nirgends…und da glaube noch jemand an die Gerechtigkeit der Götter.

(…) Endlich wieder zuhause. Nun liege ich wieder in meinem Bett in dem kleinen Zimmer auf dem Gelände der Akademie. Auch wenn es natürlich nicht meine eigenen vier Wände sind, so ist das hier wohl der einzige Ort, wo ich mich wirklich zuhause fühle. Und doch weiss ich bereits jetzt, dass ich es kaum mehr als ein Dutzend Monde hier aushalten werde und dann wieder hinaus in die weite Welt ziehen werde.

(…) Das Wiedersehen mit Zerberoan war seltsam. Er scheint mir irgendwie entfremdet zu sein. Ich glaube meine Abwesenheit hat ihm doch mehr zu schaffen gemacht, als er sich zugestehen will und meine Briefe scheinen hier nicht gerade beruhigend gewirkt zu haben. Vielleicht sollte ich bei meiner nächsten Reise damit aufhören. Er scheint sowieso kaum zu verstehen, was mich bewegt. Für ihn sind das alles nur Gefahren und jugendlicher Leichtsinn der am eigentlichen Ernst des Lebens vorbeizielt. Auch jetzt habe ich ihm gewisse Dinge meiner Reise verschwiegen. Zudem wollte er mich beinahe dazu zwingen, mein Buch und die Kugel der Akademie zu überlassen – doch ein Narr wäre ich, wenn ich seiner Aufforderung Folge leisten würde!

Efferdsmond 1003

(…) Selten bekam ich die Sonne so spärlich zu Gesicht. Selbst meine Verabredung mit Arya im „Glänzenden Storch“ hätte ich beinahe vergessen Ein vorzügliches Lokal übrigens. Wir haben hervorragend gegessen. Doch das Essen war schliesslich auch nur eine Nebensächlichkeit. Sie war bezaubernd wie eh und je und nun, nur wenige Augenblicke nach unserer Verabschiedung kann ich kaum fassen, wie ich mich damals entscheiden konnte, sie einfach so alleine zu lassen. Doch sie ist mir nicht böse – jedenfalls macht sie auf mich keinen solchen Eindruck, doch sie war schon immer eine gute Schauspielerin – muss sie ja auch, wenn sie demnächst ihre Vorstellung vor versammeltem Publikum der Akademie hält. Sie hat mir natürlich sogleich hervorragende Plätze besorgt. Jedenfalls verlief unser Essen sehr gut und angenehm. Die alte Verbundenheit scheint sogleich wiedergekommen zu sein – war sie je weg? Doch es blieb bei einem kurzen Kuss auf die Wange zum Abschied – ach am liebsten würde ich sie gleich wieder in ihrem Zimmer aufsuchen.

(…) Nun das Buch fesselt mich weiter. Anscheinend hat nun Magister ordinarius regens Ferno Thalan von der Akademie ebenfalls erfahren, dass ich im Besitze dieses seltenen und äusserst wertvollen (und in manchen Augen gefährlichen) Buches bin. Ich wette Zerberoan hat mich verpfiffen. Er konnte es wieder einmal nicht lassen und meint mich bevormunden zu müssen. Doch ich mache mich keiner Rechtswidrigkeit schuldig, ich habe das Buch nirgends unrechtmässig entwendet und auf seinen Besitzt steht selbst seitens der Praioskirche keine Strafe (sie scheinen doch noch von einem Funken Verstand gesegnet zu sein). Doch was ist Zerberoans nächster Schritt? Ein Gespräch mit Spektabilität Kiamu Vennerim höchst persönlich? Und dann? Darf ich dann mit einem Inquisitor der Praioskriche sprechen? Lächerlich…diese alten Männer scheinen allen Sinn für Wissenschaft und Forschung verloren zu haben und interessieren sich nur noch Bürokratie. Wo sind die alten Werte von Belhanka?

(…)Tassilo della Patara ist sowas von ermüdend. Ich wusste schon weshalb ich den Jungen noch nie leiden konnte. Ehrgeizig, zweielsohne, doch muss er immer an diesem Premer Feuer nuckeln? Nun da ist jede Flasche Elenviner Rotweines besser und der kostet nur einen Bruchteil davon, was Premer Feuer in Belhanka kostet. Sein ganzes Zimmer stinkt nun nach diesem starken Thorwaler Schnapps und während er munter trinkt, verbietet er mir das Trinken während der Unterrichtes. Doch was solls – er bringt mir „die theoretischen Kenntnisse rund um die Welt der Magica“ bei. Ein ödes Fach, doch ich muss Stoff nachholen, damit ich die Tore in den Äther vollständig verstehe.

(…) Welch erfrischendes Gemüt Arya doch ist. Nachdem ich mich wieder einen morgen mit Tassilio herum geschlagen habe (er erklärte mir, dass Theodur ibn Dschadun die Forschung im Bereich der affinen Hermetik revolutioniert hätte – ich habe dann in der Bibliothek nachgesehen. Dieser Theodur hatte eine Variation des Zaubers Vestis voluntate mea formet geschaffen, an die sich niemand mehr erinnert, na wieso wohl?) – nun wo war ich? Achja, ich ging danach Arya bei ihren wöchentlichen Fechtstunden abholen. Ihr Vater scheint sich wohl immer noch nicht damit abgefunden zu haben, dass seine Tochter an eine Akademie für Magie geht. Nun blaues Blut scheint vor arkanem Blut nicht verschont zu bleiben. Jedenfalls schaute ich zu wie sie mit ihrem Lehrer Rodrian focht. Ein junger Bursche, eigentlich ganz nett, wenn er nicht andauernd auf den Hintern von Arya starren würde. Nun sei es wie es sei, wir gingen dann noch etwas durch die Stadt und ich erzählte ihr von meiner momentanen Lektüre und dem Leid mit meinem früheren Collega Tassilio, der mich nun behelfsmässig unterrichtet. Sie scheint tatsächlich einen Ausweg aus meiner Situation zu kennen. Zurzeit belegt sie nämlich ein Seminar von einem Gastdozenten von der Universität in Al’anfa (wie unsere Spektabilität das wieder an unserer erlauchten Kaiserin vorbeigeschmuggelt hat, möchte ich zu gerne wissen). Der Mann bleibt noch mehrere Monde in Belhanka und würde mich sicherlich bei der Lektüre unterstützen. Er könne mir wohl auch bei den Passagen auf Zhayad helfen. Wie sonst soll ich sowas übersetzen können:
Beati pauperes spiritu (in Zhayad)

Traviamond 1003

(…) Hach, das Herbstwetter ist wieder traumhaft. Ich muss dringend mal wieder hinaus in die Natur, doch leider fehlt mir dazu gerade die Zeit. Heute habe ich mich zum ersten Mal mit Magister extraordinarius Volnor Dorvan getroffen und ich kann Arya wirklich nicht genug dafür danken, dass sie mich mit ihm bekannt gemacht hat. Auch wenn er ein etwas finsterer Geselle ist – liegt wohl an seiner Herkunft – so ist er doch sehr praktisch veranlagt und erfrischend anders als manch anderer Dozent an der Akademie. Zudem ist er verhältnismässig jung. Heute lernte er mich bei einem exzellenten Becher al’anfanischen Weins die Grundbegriffe in Zhayad, der Sprache der Dämonen. Er selbst beherrscht die Kunst der Invokation sicherlich auch. Natürlich habe ich ihn nicht gefragt, doch zuzutrauen wäre es ihm zumindest. Jedenfalls war es sehr lehrreich und er vermag das Wissen wirklich einfach und doch eindrücklich und nachhaltig zu vermitteln. Doch er ist auch nicht gerade der günstigste, doch er meint, dass dies immer noch die Hälfte dessen sei, was er in Al’anfa verlangen könnte.

(…) Beati pauperes spiritu, dass sagte Onithios von Teremon in seinem Werk. Nun kann ich die Zhayadpassagen ebenfalls entschlüsseln. Seelig sind die geistig Armen, was meinte er damit? Nun Onithios von Teremon war ein Genie, dass Seinesgleichen sucht. Da erscheint mit selbst Rohal der Weise als Anfänger. Seine Gabe der Vorhersehung ist fantastisch! Ich bin mir nicht sicher, aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann habe ich eine Referenz auf Durthan von Erkensteins Werk Die Astralebene gefunden, obwohl dies erst drei Jahrhunderte später verfasst wurde! Es ist kaum zu fassen.

(…) Ich muss aufpassen, dass ich Magister Volnor Dorvan nicht zu viel über mein Treiben und mein Studium verrate. Er scheint mich für einen sehr talentierten und begnadeten Schüler zu halten, einer der besten, die ihm in letzter Zeit untergekommen seinen, doch hege ich den Verdacht, dass er ebenfalls nur Interesse an meinem Buch hat. Ich habe mich mal grob darüber informiert, welchen Wert das Buch auf dem Markt hat und mir ist beinahe schwindelig geworden. Der Antiquarius auf dem Akademiegelände, lachte nur, als ich ihn beiläufig nach dem Wert des Buches fragte und nannte dann schliesslich eine Summe von um die fünftausend Dukaten. Volnor Dorvan wäre bereit für dieses Buch viertausend Dublonen zu bezahlen – wäre er auch bereit weiter zu gehen? Ich möchte es mir wirklich nicht ausmalen. Sein Unterricht ist jedenfalls immer noch mehr als fesselnd. Er vermag es mir selbst magietheoreitsche Dinge so zu vermitteln, dass ich sie mit Freuden lerne und so ist es kaum verwunderlich, dass ich mit meiner Lektüre grosse Fortschritte mache.

Boronmond 1003

(…) Ach, diese Herbsttage mit Arya zu verbringen ist wahrlich ein Traum wie er schöner kaum sein könnte. Im Moment könnte es mir wirklich kaum besser gehen. Am morgen forme ich meinen Geist, den Nachmittag und Abend verbringe ich mit einer bezaubernden, liebreizenden und intelligenten jungen Frau und wenn wir nicht auch noch die Nacht zusammen verbringen, dann kann ich kaum schlafen, weil ich ein hochkomplexes und äusserst interessantes Buch als Lektüre habe. Heute habe ich einen Brief en meinen Freund Véro Eugeno in Kuslik verschickt. Vermutlich wird er ihn nicht erhalten, denn so etwas wie eine feste Adresse wird dieser Mann wohl kaum haben. Eigentlich stand mal noch zur Diskussion, ob wir diesen Zwergenschatz nicht noch heben möchten um für den Rest unseren Lebens ohne Geldsorgen auskommen zu müssen. Ich habe bisher niemandem von unserem Schatz erzählt und werde es auch dabei belassen. Eigentlich möchte ich im Moment diesen Schatz gar nicht heben…wie kann man seine Zeit nur in einem Sumpf verbringen, wenn man hier im wunderschönen Belhanka sein Leben fristen kann? Naja, ich habe mich in dem Brief erkundigt, wie es ihm so ergangen sei und was er so treibe. Er soll mich doch mal in Belhanka besuchen kommen.

(…) Nun meine Lehrzeit mit Volnor Dorvan ist überstanden. Es hat mir wirklich sehr viel Vergnügen bereitet und das Lehrgeld hat sich wirklich bezahlt gemacht. Ich wäre durchaus bereit gewesen noch mehr für einen solchen Lehrer zu bezahlen. Ich hoffe nun nur noch, dass ich genügend gerüstet bin für die Lektüre des Buches. Ich weiss, dass darin umfangreiche Kenntnisse über den Structuram arcanam cerneam abgelegt sind und wenn ich diese verstanden habe, kann ich mich an die Analyse der leuchtenden Kugel machen, die mir zurzeit als Leselicht dient.

(…) Ich kann es nicht fassen, aber Zerberoan hat es wirklich gewagt! Heute wurde ich ins Arbeitszimmer seiner Spektabilität Kiamu Vennerim gerufen und ich musste mir eine geschlagene halbe Sanduhr anhören, welche Gefahren die Lektrüre eines solchen Werkes wie Porta Aitherica brigt, welche Gefahren Magica sphairologia überhaupt birgt und das das Buch in der geheimen Bibliothek von Belhanka sowieso viel besser aufgehoben wäre. Ha, das ich nicht lache! Zum einen weiss jeder Studiosi von der geheimen Bibliothek, da sie nicht geheim ist. Man müsste sie eher „Bibliothek für die Privilegierten“ nennen. Pah, das ich nicht lache. Sie haben dann auch die Summe genannt, die sie mir für das Buch bieten würden: Zweitausend Dukaten, lächerlich. Und als ich dann nicht einlenkte hat mich Kiamu Vennerim skeptisch angeschaut und dann mit schwerwiegender Stimme gesagt, dass dies wohl oder übel zu einer Aktennotiz führen werde. Sollen sie doch nur eine Aktennotiz über mich anlegen! Wenigstens bin ich nicht derjenige der sich den interessanten Dingen der Welt und der Magie versperrt! Allesamt ignorante Banausen!

Hesindemond 1003

(…) Der Durchbruch ist nah, ich spüre es!

(…) Nein, leider doch nicht, es wird wohl noch einige Wochen dauern.

(…) Hm…will mir die Kugel irgendwelche Zeichen geben? Seltsamerweise scheint sie in letzter Zeit manchmal unregelmässig zu flackern und zu vibrieren. Ich glaube kaum, dass mir bis hierhin ein untoter Zwerg gefolgt ist, doch weshalb flackert und vibriert die Kugel dann?

(…) Es ist wahrlich eine Schande, aber ich bin doch noch zu einem elenden Bücherwurm mutiert und das obwohl ich solche Menschen immer verachtet haben, die auf Kosten des eigentlichen Lebens nur gelesen haben. Doch eine Seite ist spannender als die andere und ich spüre förmlich, wie ich kurz vor dem Durchbruch bin. Meine analytischen Fähigkeiten sind fantastisch, meine Zauberkraft enorm und ich brauche nicht mehr lange, ehe ich fähig genug bin, diese Kugel in ihrer ganzen Vollkommenheit zu analysieren und zu verstehen. Erste Erkenntnisse zeigen mir immer wieder aufs Neue, welche unermessliche Kraft in dieser Kugel steckt. Doch noch viel interessanter scheint mir, dass diese Kraft förmlich zu leben scheint. Sie pulsiert in etwas, was an einen Herzschlag erinnert. Habe ich es hier etwa mit einem Lebewesen – erschaffen aus purer Magie zu tun?

Firunmond 1003

(…) Es scheint mir ein Zeichen zu sein, doch normalerweise ist gerade dieser öde Gott Firun nicht für solch humorvolle Zeichen zu haben. Schnee ist in Belhanke wirklich äusserst selten, doch an dem Morgen, als ich mich an die Analyse der Kugel machen wollte – wir sprechen hier von heute morgen – da begann hat es zu schneien begonnen. Nun eigentlich würde ich nun gerne durch den Park spazieren oder durch die Gassen von Belhanka promenieren, doch es warten wichtigere Aufgaben auf mich.

(…) Ich beginne mit der Analyse…
Vermutlich ein zentraler Haec res pro vi Madae aperta sit, mehrfach kaskadiert. Kollektierte Canti der Magica Contraria überwiegen. Mindestens ein weiteres Merkmal ist vorhanden, jedoch geschickt eingewoben…
Klare Okkupation im Inneren- vermutlich nicht daimonider Natur, jedoch nicht sine dubio. Durchgehend gildenmagische representatio, limpide Radialstrukturen. Ca. ein halbes Dutzend periphere Kraftfibrillen wurden vermutlich nachträglich gekappt…
Sämtliche Ladungen scheinen von einer Kraftquelle im Zentrum gespeist zu wer-den. Der zentrale Arcanovi steuert drei weitere Canti effectionii von kunstvoller Varianz und sorgfältiger Inmatrizierung. Destinatio des Artefakts liegt klar bei der aussersphärischen custodia. Ein Canti, höchstwahrscheinlich der Magica Controllaria, ist nur noch in Fragmenten vorhanden und muss als kaduziert gelten…
Mittels eines modifizierten Vim arcanum teum furer wird eine Kaskadenkopplung gespeist, sobald der Astralausstoß im Inneren einen gewissen Schwellenwert überschreitet. Ein nach innen spekularisierter Venustate defendamur bislang unbekannter Webart verhindert dadurch jegliche nach aussen gerichtete Aktivität aus dem Zentrum der Okkupation…
Subvektorielle Segmentialverformungen haben die Matrices teilweise assimiliert, jedoch lediglich bei einer Frakturen kausiert. Ursprung der Interferenzen ist offenbar eine magica contraria albischen Ursprungs und Ergebnis der Bemühungen des Häftlings, die feinen Maschen seines Gefängnisses zu penetrieren. Die Exposition immenser astraler potentia hat zudem die kristalline Struktur des Behältnisses verunreinigt, deren Ursprung anscheinend in gelungenen, jedoch defizitären astralen Methodiken liegt.
Ich kann es kaum fassen, ich habe es vollbracht! Kein Geheimnis ist mir bei dieser Kugel noch fremd! Und welche Erkenntnis ich bei dieser Kugel gewonnen habe! Fantastisch!

(…) Eine Fee ist im Inneren eingeschlossen, dessen bin ich mir sicher. Doch wer würde einem solch liebevollen Geschöpf etwas antun wollen?

(…) Mehrere Versuche mit Magica communicativa haben vorerst nichts gebracht, doch am Ende konnte ich mit Hilfe des Cantus In somnium tuum appaream in die Träume dieses armen Geschöpfes eindringen. Es scheint bereits seit vielen Jahren in ihrem Kerker zu verrotten und doch strahlt dieses Wesen noch eine solchen Unschuld und Vollkommenheit aus, die ich bei nichts für möglich gehalten hätte. Ich muss die Fee befreien.

(…) Hm, ich hätte nicht so rasch etwas versprechen sollen, dass ich dann vielleicht gar nicht halten kann. Ein Artefakt zu analysieren ist eine Sache, doch es zu zerstören eine ganz andere und eine andere Möglichkeit als ein Vis Madae extinguatur fällt mir beim besten Willen nicht ein. Nun ich muss endlich ins Bett, dieser Tag hat mich viel Kraft gekostet und morgen werde ich mir Gedanken über das weitere Vorgehen machen.

(…) Wenn ich mein Versprechen halten will – und davon bin ich fest überzeugt – dann benötige ich tatkräftige Hilfe. Noch morgen muss ich nach Punin aufbrechen und dort nach einer kompetenten Person fragen, die mir bei meinem Unterfangen helfen kann. Arya wird das nicht verstehen, doch ich muss diese Fee befreien – koste es, was es wolle.

(…) Nun das Arya die Nachricht so schlecht aufnehmen würde, das habe ich nicht erwartet und nun überlege ich mir diese Reise nach Punin wirklich noch ein zweites Mal. Vermutlich werde ich erst Ende des Mondes aufbrechen.

(…) Die Wogen zwischen mir und Arya scheinen nun wieder etwas geglättet zu sein. Ich habe ihr von der Fee und der ganzen Geschichte erzählt, doch sie glaubte mir erst, als ich begann mit der Fee zu kommunizieren.

Tsa 1003

(…) Und wieder bin ich gen‘ Norden unterwegs. Diesmal habe ich mich ordentlich von Arya verabschiedet und ihr versprochen, dass ich diesmal nicht die Welt von üblen Kultisten befreien werde und auch sonst keinem Leichtsinn verfalle. Zudem sollte ich bald wieder zurück sein. Die Reise nach Punin dauert dank meinem treuen Begleiter Avestos kaum einen Mond und so sollte ich innerhalb von einem Viertelgötterlauf wieder zurück in Belhanka sein.

(…) Es ist seltsam an all diesen Plätzen und Orten vorbei zukommen, wo so viel geschehen ist. Für all die anderen Menschen wirken sie ganz banal und unbedeutsam doch für mich bedeuten sie so viel, dass heute mich und meinen Charakter ausmacht.

(…) Welch törichte Idee von mir, das Haus von Bruder Friedwyn aufzusuchen. Irgendwie nimmt mich das alles doch mehr mit, als ich vermutet hätte. Amgret ist ebenfalls verstorben, das konnte ich nun in Erfahrung bringen. Irgendwie möchte ich mehr tun können, als nur einige Blumen auf ihre Gräber zu legen.

(…) Punin, endlich, die Reise hat auch gedauert. Doch ich muss sagen, dass es sich mit einem Pferd doch viel angenehmer reist. Punin ist wahrlich eine interessante Stadt: So viel Geschichte, so viel Vergangenheit. Und erst die Akademie: Da erscheint mit Belhanka wie ein kümmerliches Nest. Hach, wenn ich diese Studiosi sehe, möchte ich am liebsten gleich selbst wieder zu studieren beginnen. Doch dann schreckt mich auch diese ganze Bürokratie wieder ab. Naja wenigstens konnte man mir rasch mit meinem Problem weiterhelfen. Ich habe bereits morgen ein Treffen mit einer ausgesprochen fähigen Magisterin im Bereich der Magica thaumaturgia. Siona Engstrant. Ihr Titel (magistra ordinarius expertus metamagica ex eo potentia Puniniensis) ist wahrlich lächerlich lang und ich würde mich ja hüten einen solchen Titel zu tragen, doch hier scheint man dem einen gewissen Wert beizumessen. Naja, sei es wie es sei, jedenfalls kann ich morgen mit dieser Frau sprechen.

(…) Die Dame scheint mir ganz nützlich zu sein und ist bereit mir zu helfen, auch wenn sie, wie viele Magier von hier, eine gewisse Arroganz an den Tag legt. Doch für den Preis von zweihundert Dukaten will sie mir das Artefakt entzaubern. Einzige Bedingung: Ich muss ihr die Kugel für eine Vorlesung mit den Studiosi überlassen. Das stellt aber kein Problem für mich dar, ich kann ja selbst beim Analys auch noch etwas lernen. Bis dahin besuche ich eine Vorlesung über den Einsatz von Schadensmagie…ich mache mich auf eine langweilige Vorlesung gefasst, aber wenn man schon einmal in Punin ist, kann man diese Gelegenheit ja nicht verpassen.

(…) Nun in gewissen Dingen hat Magister Ulthar Svenson schon recht und ich habe selbst gesehen und erleben müssen, dass kampfestüchtige Magie manchmal ganz nützlich wäre. Ich kam mir manchmal wirklich etwas Fehl am Platze vor, wenn die Zwergin mit erhobener Axt und Ingvalion mit blanker Klinge gegen unsere Feinde antraten und ich in den hinteren Reihen stand und mich manchmal etwas mit meinem Stab verteidigte. Nun eigentlich ist mein Stab sowieso viel zu wertvoll um für den Kampf hinhalten zu müssen. Vielleicht sollte ich mir mal überlegen, ob ich mich auf andere Art und Weise verteidigen sollte – wäre sicher auch ganz gut, wenn ich mich in irgendeiner Art und Weise körperlich betätige. Vielleicht sollte ich es wie Arya machen, die trotz dem Studium für magisch Begabte noch fleissig die Fechtkunst übt.

(…) Die Vorlesung über den Analys ist vorbei. Alle waren ganz begeistert von meiner Kugel und sie sprachen noch am Abend von diesem seltsamen Artefakt und rätselten, woher es wohl stammen möge. Nun ich habe mich ganz diskret verhalten…ein Edelmann schweigt und geniesst.

(…) Wann leuchtet endlich dieser doofe Stein? Dann kann ich endlich zu unserer Magistra und zusehen, wie sie die Fee aus ihrem Käfig befreit.

(…) Komm schon, leuchte!

Phex 1003

(…) Ich habe ganz vergessen niederzuschreiben, was mir widerfahren ist, so seltsam waren die letzten paar Tage. Nun, abseits aller grossen Städte in einer kleinen, netten Taverne am Wegesrand an der Reichstrasse nach Gareth finde ich wieder die Zeit und Musse einige Zeilen zu schreiben. Doch an die Anwesenheit einer Fee habe ich mich trotzdem noch nicht gewöhnt. Nun liegt sie da, so unbekümmert, ruhig und unschuldig. Bezaubernd, zerbrechlich und kraftvoll zugleich. Es ist so verwirrend und jedes Mal wenn ich dieses kleine Wesen betrachte, scheinen meine Sinne wieder verrückt zu spielen und meine Gedanken verlieren jeden Sinn und jede Ordnung.

(…) Dieser weisse, nein silberne Fleck auf der Stirn scheint nicht mehr weg zu gehen, doch eigentlich will ich das auch gar nicht. Sieht ja eigentlich ganz nett aus und wer hat schon einen silbernen Kussabdruck auf der Stirn? Ist doch ganz lustig und immer eine Geschichte wert. Doch so werde ich die Vorurteile, die man meinesgleichen entgegenbringt sicher nicht abbauen.

(…) Die Reise zurück in den Sumpf ist langwierig und teuer, doch zum Glück stehe ich nicht unter solchem Zeitdruck. Oder doch? Mir scheint, dass die Fee – sie heisst übrigens Nou’Ori – schwächer wird. Wie lange überlegen Feen abseits von ihrem zuhause? Wie konnte sie in der Kugel überleben? Ah! Da, jetzt schwebt sie wieder umher und vollführt seltsame Tänze. Und da sage noch jemand, Elfen seien unberechenbar – war das sagt, der hat noch nie die Gesellschaft einer Fee genossen!

(…) Der Baum, die Blutulme beim Boronsanger, das ist mein Ziel. Dort muss ein Feentor versteckt sein. Hinter der Tür, am Teich im Kessel, so nennt Nou’Ori denn Weg.

(…) Die Passage samt Pferd kostet mich ja ein verdammtes Vermögen, doch wenigstens scheint es Nou’Ori wieder etwas besser zu gehen. Das mit dem Verstecken hat bisher auch ganz gut geklappt, auch wenn meine Tasche manchmal plötzlich zu leuchten beginnt.

(…) Eine Zeichnung der Fee, so schlecht ist sie nicht gelungen. Nun in der Tat sprechen wir hier eigentlich von einer Fee mit roten Haaren, aber wie soll ich jetzt plötzlich rote Farbe auftreiben? Das blaue Türkis hinzubekommen war schon genug schwer.

(…) Ich kann es kaum erwarten anzulegen. Doch was habe ich davon, wenn ich die Fee zu ihrer Heimat zurückbringe? Kaum etwas, wenn ich Glück habe einen zweiten Kuss und das wird’s gewesen sein. Vermutlich bin ich halt einfach ein zu guter Mensch – oder eher Elf.

Perrainemond 1003

(…) Wieder in diesem verdammten Sumpf. Naja, wenigstens kennen mich einige Leute noch. Nach einigem Überlegen wusste der Zwerg in der Taverne von Arvun wenigstens noch, wer ich bin. Morgen breche ich dann nach Ockerfeld auf.

(…) Ockerfeld, ich habe es beinahe vermisst. Nun, ich gebs ja zu, das war gerade eine Lüge, das Dorf kann mir gut und gerne gestohlen bleiben. Wenigstens ist die Schmiedin hier nicht allzu nachtragend. Wenn ich noch heute an die Aussage von unserer Begleiterin denke „Ich kann Ihre Schmiede etwas optimieren…“ Im nächsten Moment war sie kaputt und wir hatten eine wütende Schmiedin am Hals.

(…) Hehe, ich konnte den Gesellen des Bootbauers dazu überreden mich in den Sumpf zu begleiten. Sicher ist sicher und wenn ich schon elend im Sumpf ertrinke, dann will ich wenigstens so um Hilfe schreien können, damit mich dann auch jemand hört. Darwin heisst der Junge und er scheint ganz intelligent zu sein, wenn auch furchtbar naiv und abergläubisch.

(…) Bald haben wir die Ulme erreicht. Dieser Darwin kauft mir auch jeden Schwachsinn ab – egal wie ironisch oder gar zynisch mein Unterton auch ist. Doch seine Naivität wird nur noch durch seinen Aberglauben übertroffen. Al er die Fee zu Gesicht bekam, fürchtete ich, er würde einen Anfall erleiden und einfach so ins Wasser fallen.

(…) Wenigstens hat der Junge Träume, auch wenn er keinen Schimmer davon hat, was er träumt: Studieren. Das ist einfacher gesagt als getan. Naja, da ich sowieso noch kurz in der Mine vorbei gehen will, kann ich ihn ja mitnehmen, dann kann er sich auch etwas einstecken und davon ein neues Leben beginnen.

(…) Wir sind beim Baum angekommen…doch nun? (…) Eigentlich ist es klar, dass ich mit der Fee gehen will, doch ich bin mir trotzdem nicht sicher. Was ist jenseits der Tür am Teich im Kessel, beim Zwerg? Ist es etwa der Zwerg, den ich ich Stab hatte? Ach was solls, ich würde mich mein Leben lang verfluchen, wenn ich jetzt nicht gehen würde. Darwin kommt schon einige Tage alleine zurecht.

(…) Zuerst war nichts, zuletzt ist nichts.

Rahjamond 1003

(…) Es ist seltsam wieder zur Feder zu greifen, doch früher konnte ich nicht. Doch jetzt – heute, am Tage meiner Geburt vor nun bereits einundzwanzig Götterläufen, da erscheint mir der Zeitpunkt wieder richtig. Gestern feierten wir, ich und Arya, alleine, ohne all die Freunde und Collega, mit denen ich früher gefeiert hätte. Mir war nicht danach und ich hätte mich auch nicht mehr vor ihnen zeigen wollen. Einer klopfte an die Tür als ich gerade am Fenster sass. Ich ignorierte das Klopfen und irgendwann verstummte es.

(…) Bei den Göttern, noch immer fühle ich mich seltsam – irgendwie entfremdet, als sei ich in einer anderen Welt zurückgekehrt. Ist dies möglich? Was wenn ich eigentlich immer noch in der Feenwelt feststecke doch ich mir dessen gar nicht bewusst bin? Das würde all diese seltsamen und merkwürdigen Veränderungen erklären. Doch Moment – es scheint nicht, dass die Welt sich verändert hat, eher dass ich mich verändert habe. Doch spielt das überhaupt eine Rolle?

(…) Noch gestern bemerkte ich, dass ich einige Dinge aus meiner Kindheit vergessen habe, die ich früher noch gewusst habe. Dann habe ich mich angestrengt – wirklich angestrengt und sie kehrten wieder zurück in mein Erinnerungsvermögen. Trotzdem eine seltsame Tatsache.

(…) Rodrian ist doch ein ganz feiner Kerl, er hat mir angeboten, ebenfalls einige Fechtstunden bei ihm zu belegen, jetzt wo ich eine solch – wie nannte er es doch gleich – aussergewöhnliche Klinge besässe. Aussergewöhnlich – als wäre dies ein besonders kompliziertes Wort und trotzdem fiel es mir nicht auf Anhieb ein. Nun körperliche Betätigung scheint mir im Moment genau das richtige zu sein, denn mein Geist taugt im Moment gerade nicht allzu viel.

(…) Och, wieso habe ich mich nicht von Darwin getrennt. Der Junge zehrt langsam echt an meinem Gemüt und meinen Nerven. Soll sich doch Zerberoan mit ihm rumschlagen. Der hat was übrig für nutzlose junge Menschen…

(…) Heute konnte ich wieder ein Buch lesen. Keine Fachliteratur, nein leichte Kost, simple Belletristik, doch mehr will ich meinem geschundenen Geist noch nicht antun.

(…) Sollte ich niederschreiben, was mit in der Welt von Nou’Ori erlebt habe? Irgendwie erscheint mir dies falsch, denn was, wenn doch jemand diese Blätter zu Gesicht bekommen würde? Es darf nicht sein – was dort geschehen ist, das geht niemanden etwas an. Das kann niemand anderen etwas angehen. Es ist unmöglich. Und Vergessen ist ebenso unmöglich.

(…) Als ich heute Morgen aufgewacht bin habe ich zum Buch gegriffen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dazu noch einmal fähig sein würde, doch ich habe danach gegriffen und es bis jetzt, wo es bereits wieder dunkel wird, nicht aus der Hand gelegt…